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Die Ereignisse in Hadersdorf am Kamp am 6. und 7. April 1945

Ein Jahr später: Exhumierung der Ermordeten

Zwei Jahre später: Der Prozess gegen einige Verantwortliche

Liste der 61 Opfer und deren Kurzbiografie

Augenzeugen berichten

Erinnern & Vergessen seit 1945

Pressespiegel

   

Sauber, still und ohne Spuren

Dr. Robert Streibel, Historiker, Publizist und Direktor der Volkshochschule Hietzing. Rede anlässlich der Gedenkkundgebung für 61 von der SS ermordete Antifaschisten und Widerstandskämpfer - 7. April 2007, Hadersdorf am Kamp

Umweltschutz und Mülltrennung sind Standard in großen Städten und kleinen Gemeinden. Wir wissen, dass wir im Wald keine Papierln wegwerfen dürfen und Kühlschränke in der Au nichts zu suchen haben. Unseren Nachbarn und Nachkommen hinterlassen wir eine schöne Umwelt. Wenn wir uns unter diesen Voraussetzungen hier in Hadersdorf versammelt haben, dann ist klar, dass wir nichts zurücklassen. In der Bewilligung für diese Veranstaltungen steht, dass der Platz ohne Beschmutzung verlassen werden soll. Saubere Gedanken haben Sie, das wird vorausgesetzt und Ihr Erinnern darf keine Spuren hinterlassen, keine Kurzzeit-Denkmäler zeitigen.

Belsazar, so 550 vor Christus in Babylon, trieb es den kalten Schauer über den Rücken, als von unbekannter Hand auf der Mauer seines Palastes eine Schrift erschien. Bürgermeister LAbg. Bernhard Toms wollte im Vorjahr am 7. April nicht ein Mal die nächste Kaltfront mit Regenguss abwarten, bis die Namen der 61 Opfer des Massakers aus dem Jahr 1945 – mit Kreide auf den Boden geschrieben - wieder weggewaschen worden wären. Einen Tag nach dem Gedenken rückten die Jugendlichen der Freiwilligen Feuerwehr aus, um die Straße zu waschen.

Die Feier heute verläuft still. Reden sind keine Musik. Selbst die Blasmusik spielt nur dann, wenn es sich um eine offizielle Veranstaltung der Gemeinde handelt. Wir sind nicht offiziell.

Das Fehlen von Denkmälern hat sein Gutes. Wir müssen uns erinnern, da wir sonst nichts haben, was Spuren hinterlässt. Ein Glück also, dass Unbekannte in den 50er Jahren die erste von einem Überlebenden gestiftete Gedenktafel an das Massaker einfach gestohlen haben, ein Glück, dass der Bürgermeister bis heute eine angemessene Ehrung, mitsamt Nennung der Namen der Ermordeten verhindert hat. Wo kämen wir da hin. Da müssten wir für jeden fremden Toten auf der Schnellstraße ebenso eine Tafel anbringen. Das geht zu weit, vergessen Sie das sofort. Schmutzige Gedanken sollten heute nicht auf diesem Hauptplatz gelagert werden. Also nicht weiter nachgedacht und nicht gefragt, wer das wohl gesagt haben könnte.
Heute werden die Namen der 61 Opfer über der Gemeinde Hadersdorf schweben, der Luftraum ist in der Bewilligung nicht extra erwähnt. Wir werden sehen, ob sich das im nächsten Jahr vielleicht ändert. Doch wir dürfen nur 50 Luftballons auf ein Mal steigen lassen, würden wir mit mehr Luftballons gedenken, wäre eine eigene Gebühr zu entrichten.

Das Fehlen von Denkmälern hat sein Gutes. Wir müssen uns erinnern und wenn am 25. Mai der Theodor Kramer Preis in Krems vergeben wird, werden Schriftstellerinnen und Schriftsteller hier auf diesem Platz lesen. Und wenn ich hier die Augen kurz zumache, sehe ich in Opposition zum Kriegerdenkmal hier auf dem Hauptplatz ein Erinnerungszeichen an die 61 Opfer, denn hier mussten sich die freigelassenen Häftlinge des Zuchthauses Stein aufstellen, um zur Hinrichtung auf dem Friedhof zu gehen. Und wenn das Denkmal nicht gebaut wird, dann wird es eben das erste fiktive Denkmal sein. Sie werden sehen.

Wir haben uns erinnert und Spuren hinterlassen und diese können einfach nicht weggewaschen werden.

     
 
           
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