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Die Ereignisse in Hadersdorf am Kamp am 6. und 7. April 1945

Ein Jahr später: Exhumierung der Ermordeten

Zwei Jahre später: Der Prozess gegen einige Verantwortliche

Liste der 61 Opfer und deren Kurzbiografie

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Augenzeugen berichten

Johann Janitschek, Grunddorf
Hilfsaufseher der Strafanstalt Stein
rettete vier Antifaschisten


Ich war Hilfsaufseher in der Strafanstalt Stein. Ich wohne in Grunddorf und bin jeden zweiten Tag nach Stein in den Dienst gefahren, so auch am Samstag den 7. April. In Schlickendorf wurde ich vom Volkssturm aufgehalten und man teilte mit, dass aus Stein Häftlinge ausgebrochen seien, die laut Befehl wieder eingefangen wurden und sich beim Ortsgruppenleiter in Theiß befinden. Als ich nun nach Theiß kam, sagte mir der Ortsgruppenleiter Donabaum, ich müsse noch warten, es kommen noch acht Häftlinge dazu. Zehn Häftlinge waren bereits dort. Es kam dann Kreisstabsamtsleiter Huber von der Kreisleitung Krems und sagte, dass ich diese 18 Häftlinge mit einigen Volkssturmmännern nach Hadersdorf bringen und dort dem Ortsgruppenleiter Kuen übergeben müsse. Als ich mit den Leuten nach Hadersdorf kam, kam mir Kuen gleich entgegen und schrie mich an, dass er schon so viele Leute hier habe, er wisse nicht, was er mit diesen noch machen solle, ich solle sie gleich nach Stein zurückführen. Ich habe mich nun mit den Häftlingen auf den Weg zum Bahnhof Hadersdorf gemacht, um die Leute nach Stein zu bringen, als mir wieder der Huber nachkam und mich fragte, was ich mit den Leuten mache bzw. wohin ich mit ihnen gehe. Ich erklärte ihm, dass Kuen die Leute nicht angenommen habe und mich mit ihnen nach Stein zurückschicke. Ich musste mit den Häftlingen am Bahnhof Hadersdorf warten und nach ca. eineinhalb Stunden kam ein kleiner Bub aus Hadersdorf und brachte mir die Botschaft, dass ich mit den Leuten wieder nach Hadersdorf zurückkommen müsse. Ich ging nun mit den 18 Häftlingen wieder nach Hadersdorf zurück zum Ortsgruppenleiter und da hat schon die SS gewartet. Kuen habe ich auch dabei gesehen.

Unter den Häftlingen waren auch vier Mann darunter, die Entlassungsscheine hatten, und zwar Herr Stelzhammer und noch drei andere. Herr Stelzhammer rief mich heran und zeigte mir die Entlassungsscheine und da war Kuen und einer von der SS dabei, der mich fragte, ob das richtige Entlassungsscheine seien, was ich bestätigte und schließlich durften diese vier Männer weggehen. Ich bin den vier Männern dann noch mit dem Rad nachgefahren, weil ein SS-Mann sagte, ich müsse noch mal nachsehen, ob die Sache auch in Ordnung sei, was ich nach meiner Rückkehr bestätigte.

Die anderen Häftlinge sind dann alle zusammengestellt, von der SS eingeschlossen und zum Friedhof getrieben worden. Dort mussten sie dann eine Grube schaufeln und sind dabei mit dem Gewehrkolben geschlagen worden. Sumetzberger habe ich auch am Friedhof gesehen, was er dort gemacht hat, weiß ich aber nicht. Der SS-Führer hat auch Leute zu sich heraus gerufen und sie befragt, weshalb sie in Haft sein. Er hat unter anderen auch den Franz Fuchs herausgerufen, den er schließlich auf die Seite stellen ließ. Mich beauftragte er, Herrn Fuchs nach Stein zurückzubringen, und ich bin sogleich mit Fuchs weggegangen. Bevor ich weggegangen bin, habe ich noch gehört wie Sumetzberger zu dem Offizier sagt, „er habe ohnehin einen Sack Kalk zuhause, er werde ihn herausschicken und der wird dann darüber geschüttet.“ Zu diesem Zeitpunkt haben die Häftlinge noch immer die Grube ausgeschaufelt, und ich habe mir schon denken können, was da geschieht.

Ich habe dann Franz Fuchs zurückgeführt und in Hadersdorf bei der Trafik ließ mich der Kreisstabsamtsleiter Huber noch warten, weil er mir einen Brief nach Krems für den Kreisleiter mitzugeben hatte. Als wir dort warteten sind drei Häftlinge, und zwar Jugoslawen, dazugekommen. Auch Kuen war da und hat mit Herrn Fuchs noch gesprochen. Huber hat dem Herrn Kuen diese drei Häftlinge übergeben, der mit ihnen in Richtung Friedhof weggegangen ist.

Hauptverhandlung am Volksgericht Wien, Zeugenaussage, 29. März 1947

     
 
           
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