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Die Ereignisse in Hadersdorf am Kamp am 6. und 7. April 1945

Ein Jahr später: Exhumierung der Ermordeten

Zwei Jahre später: Der Prozess gegen einige Verantwortliche

Liste der 61 Opfer und deren Kurzbiografie

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Erinnern & Vergessen seit 1945

Pressespiegel

   

Coudenhove-Kalergi:
Das sind unsere Toten

Rede der Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi anlässlich der Gedenkkundgebung für 61 von der SS ermordete Antifaschisten - 6. April 2008, Hadersdorf am Kamp

Warum soll man eigentlich einer schrecklichen Tat in der Vergangenheit gedenken und womöglich ein Denkmal errichten. Schließlich sind ja Denkmäler dafür da, dass man an bedeutende Menschen erinnert und an bedeutende Taten, und dass ein jeder, der vorbeigeht ein bisschen stolz sein kann.

Ich glaube aber nicht, dass wir hier der schrecklichen Tat gedenken, sondern vor allem der Opfer. Die 61, die hier umgekommen sind, sind aus vielen Ländern gekommen - tapfere Leute, die nicht haben wollten, dass ihr Land von einer unmenschlichen fremden Macht besetzt wird, aber auch viele Österreicher. Das waren keine berühmten Namen, keine berühmten Widerstandskämpfer, sondern gewöhnliche tapfere Leute - Dreher, Bäcker, Eisenbahner - das sind unsere Leute, das sind unsere Toten. Ich glaube, dass wir es ihnen schuldig sind, dass wir an sie denken.

Es war in der Vergangenheit so, dass viele gesagt haben, Österreich war nur ein Opfer der deutschen Nazis. Es hat aber auch andere gegeben, die gesagt haben, Österreich habe nur aus Nazis und Mitläufern bestanden, und das ganze Land war ein Naziland. Wir wissen inzwischen, dass das nicht so war, dass es Täter und Opfer gegeben hat und viele, die weder noch waren.

Es gibt einen alten Volksglauben, der sagt: Ein Blutfleck nach einer Mordtat geht nicht weg, wenn man ihn wegputzt, sondern er erscheint immer wieder, bis die Wahrheit über die Tat offenbar geworden ist. Es gibt einen anderen Volksglauben, der sagt: Die Toten finden erst den Frieden, wenn ihr Schicksal ans Licht gekommen ist, sonst geistern sie herum und plagen die Lebenden. Ich glaube etwas Ähnliches haben wir in den vielen langen Jahren des Vergessens und des Schweigens erlebt, jetzt haben wir im kleinen Hadersdorf und im größeren Österreich diesen Zustand überwunden, wir haben der Wahrheit ins Gesicht geschaut, und wir haben die Toten geehrt, und ich glaube, wir haben damit den Toten ihren Frieden gegeben und auch uns, den Lebenden.

     
 
           
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