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Eklat während Spoerri-Eröffnung in Hadersdorf

24/06/2009 Der Standard   

Bürgermeister versuchte Performance gegen Geschichtsverdrängung zu verhindern

Hadersdorf/Wien - Die niederösterreichische Gemeinde Hadersdorf stand am Freitag im öffentlichen Rampenlicht wie selten zuvor. Immerhin eröffnete - wie berichtet - einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart, Daniel Spoerri, sein Museum und Restaurant für angewandte Eat-Art am Hauptplatz. Am Rande der Feierlichkeiten wollten Jakob Fielhauer, Andreas Ployer und Gerhard Pazderka mit einer "Foot-Art"-Performance die Gelegenheit nutzen, um auf die NS-Vergangenheit des Waldviertler Ortes aufmerksam zu machen. Pazderkas Großvater, Alois Westermeier, war einer von 61 Männern, alle politische Gefangene, die in den letzten Kriegstagen beim örtlichen Friedhof von SS-Männern erschossen wurden. Die Widerstandskämpfer waren bereits aus dem Gefangenenhaus Stein entlassen worden und zu Fuß nach Wien unterwegs.

Seit Jahren fordert der Enkel mit anderen eine Gedenkstätte für die 61 Ermordeten. Das Ergebnis war eine Tafel beim Friedhofseingang, die im April präsentiert wurde, auf der aber das Wort "politische" im Text über die Ermordung der politischen Gefangenen, gestrichen worden war. "Ein weiterer Grund für Unzufriedenheit", erzählt Pazderka dem Standard.

Als Fielhauer in der Performance "Über Geschichte hinweggehen" Flugzettel verteilend über ein Transparent schritt und dabei von Pazderka gefilmt wurde, verlor VP-Bürgermeister Bernd Toms die Fassung: Er versuchte, Pazderka am Filmen zu hindern. Vizebürgermeister Heinrich Becker eilte sofort herbei, um seinen pöbelnden Ortschef abzuziehen. Das dazugehörige Video stellte man mit dem etwas übertriebenen Titel "Hadersdorfer Bürgermeister Bernd Toms rastet aus" auf das Internetportal Youtube.

Seitens der Leitung von Spoerris Kunststaulager hieß es übrigens auf Anfrage des Standard, dass man "an einem baldigen Termin mit Herrn Pazderka interessiert sei". Vor der Eröffnung habe die Zeit für eine sinnvolle Kooperation gefehlt. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.06.2009)

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