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Bluttat ließ sich nicht aufarbeiten

24/03/2006 Kurier   

HADERSDORF-KAMMERN Ein einjähriger, mühevoller Prozess der Geschichtsaufarbeitung in Hadersdorf-Kammern, Bezirk Krems, schließt mit einem Knalleffekt ab: Die geplante Enthüllung einer Gedenktafel, die an ein NS-Massaker am Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert, ist abgesagt. Statt einer gemeinsamen Veranstaltung gibt es eine Gedenkmesse der Gemeinde und eine Art eines Gedenkvereins.

Die Vorgeschichte: Eine Gruppe politischer Gefangener, die der Leiter des Gefängnisses in Krems/Stein gegen Kriegsende entlassen hatte, lief auf dem Weg nach Wien Hadersdorfer NSDAP-Leuten in die Hände. Die alarmierten die SS, gemeinsam wurden 61 Menschen auf dem Friedhof ermordet.

Christine Pazderka, die Tochter eines der Getöteten, gründete einen Verein, der sich für eine Gedenkstätte in Hadersdorf einsetzt. Eine kleine, an der Friedhofskapelle angebrachte Tafel reicht ihr nicht.

Um eine gemeinsame Lösung zu finden, hat Vizebürgermeisterin Lieselotte Golda einen Ausschuss ins Leben gerufen, der die Vergangenheit aufarbeiten sollte. Rund 150 Menschen besuchten vergangenen Herbst eine Podiumsdiskussion zum Thema, die Gemeinde wurde über den Fortgang der Arbeit informiert. Doch Einigung kam nicht zu Stande.

"Am Anfang zeigten sich viele Vertreter der Gemeinde im Arbeitskreis kompromissbereit", klagt Christine Pazderka. Doch das Ergebnis sei ernüchternd: Eine etwas größere Gedenktafel an derselben Stelle wie bisher. Keine Rede sei mehr von anfänglichen Ideen für ein Gedenkobjekt im Ortskern. Ständig hätten sich die Pläne reduziert.

Vizebürgermeisterin Golda ist enttäuscht: "Natürlich gab es anfangs viele Ideen. Aber das waren nur Vorschläge. Wir hatten nach fünf Arbeitssitzungen eine Lösung, die durchzubringen war. Vor wenigen Tagen habe ich ohne Vorankündigung erfahren, dass der Gedenkverein eine Gegenveranstaltung plant. Dafür erhielt ich keine Information, ob er an unserer Enthüllungsfeier teilnimmt. Ich hatte keinen zeitlichen Spielraum, musste die Herstellung der Gedenktafel stoppen und die Enthüllung absagen."

Die Pazderkas haben den Eindruck, dass viele Bewohner der Gemeinde weit offener seien als die Gemeindemandatare. Nun lädt der Verein am 7. April um 16.30 Uhr die Hadersdorfer Bevölkerung zu einem Gedenktag und hofft auf mehr Verständnis in Zukunft. Die Gemeinde hat ihr Programm auf einen Gedenkgottesdienst um 18 Uhr in der Kirche reduziert.

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