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Die Ereignisse in Hadersdorf am Kamp am 6. und 7. April 1945

Ein Jahr später: Exhumierung der Ermordeten

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Pressespiegel

   

"Ich höre heute noch die Schüsse"

08/04/2006 Kurier   

Christine Pazderka nimmt die Zetteln mit der vorgeschriebenen Rede aus der schwarzen Handtasche, wuzelt sie gleich wieder hinein, während sie auf die Uhr am Hadersdorfer Kirchturm im Bezirk Krems schaut. Kurz vor halb fünf. In wenigen Minuten soll es losgehen. "Hoffentlich kommen 61", sagt die Obfrau des "Vereines Gedenkstätte - Hadersdorf" und meint damit 61 Menschen, die 61 Jahre nach der Hinrichtung von 61 Nazi-Gegnern durch SS-Angehörige ein Denkmal enthüllen.

Wieder schweifen Pazderkas Blicke in Richtung Kirchturm. Punkt halb fünf, die Glocken läuten. "Dazu konnt' ich den Pfarrer noch schnell überreden", verrät die Tochter eines der damaligen Opfer, die keinen Hehl daraus macht, dass sie mit dem restlichen "offiziellen Hadersdorf" nicht mehr viel am Hut hat.

EMPÖRUNG

Zaghaft, aber doch, betreten Menschen den Rasen des Hauptplatzes. Versammeln sich um das provisorische, zwei Meter hohe Denkmal aus Holzspanplatten. Manche von ihnen hätten sich mehr von der Gedenkveranstaltung erwartet. "Ich bin empört", wettert die Wienerin Gerda Königsberger. "Ich bin erschüttert, wie wenig Leute da sind." Die Historikerin versteht einfach nicht, warum sich die Gemeinde von dieser Art des Gedenkens distanziert hat. So wie die Hadersdorferin und Zeugin des Massakers vom 7. April 1945 Aloisia Daschl. "Ich hör' heut' noch die Schüsse. Kann net drüber reden, da kommen mir die Tränen", sagt sie, schaut auf das verhüllte Denkmal, das ohne Bewilligung vermutlich nicht lange neben dem Kriegerdenkmal stehen wird.

Für Christine Pazderka kein Problem. Für sie ist Geschichte und vor allem diese Geschichte nicht als beendet zu betrachten: "Ich hoffe, dass nächstes Jahr nicht wieder ein provisorisches Denkmal enthüllt wird, sondern ein echtes", sagt sie vor der mittlerweile doch auf knapp 70 Menschen angewachsenen Gedenkgesellschaft, steckt die "Rede-Zettel" wieder zurück in die schwarze Handtasche.

Erleichtert geht sie zum Denkmal, zieht an dem grauen Tuch. Die Uhr am Kirchturm ist jetzt nicht mehr wichtig, ihre Blicke haften auf der Namensliste am Holzklotz - Namen der 61 Ermordeten.

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