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Die Ereignisse in Hadersdorf am Kamp am 6. und 7. April 1945

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Pressespiegel

   

Denkmal für Hadersdorfer SS-Opfer stand nur ganz kurz

10/04/2006   

Verein empört über Vorgangsweise des VP-Bürgermeisters - Bürgermeister Toms: Schmierereien sind zu entfernen

Krems - Schockiert über einen "Eklat" nach einer Gedenkfeier am 61. Jahrestag eines SS-Massakers in Hadersdorf am Kamp (Bezirk Krems) zeigt sich der Verein "Gedenkstätte - Hadersdorf am Kamp": Bürgermeister LAbg. Bernhard Toms (ÖVP) habe das provisorisch errichtete Denkmal abtragen lassen. Überdies seien die mit Kreide auf die Straße geschriebenen Namen der 61 Opfer bereits am nächsten Tag entfernt worden - im Rahmen einer Übung der Feuerwehr.

Ein offizielles Denkmal sei dem Verein verweigert worden, war bereits im Vorfeld beklagt worden. Auch eine geplante Erinnerungstafel am Friedhof sei "ersatzlos gestrichen" worden.

Enthüllung am Freitag

Das provisorische Denkmal war am Freitag durch Christine Pazderka vom Verein enthüllt worden. Sie und der Historiker Robert Streibel waren die Initiatoren dieser ersten Gedenkveranstaltung, an der rund 70 Menschen teilnahmen - darunter nach Angaben des Vereins politische Vertreter von Bund, Land und Gemeinde sowie Delegationen der Botschaften Deutschlands und Griechenlands.

Am 7. April 1945 wurden in der Gemeinde Hadersdorf am Kamp 61 politische Häftlinge von einer SS-Einheit, unter Beihilfe Hadersdorfer NSDAP-Führer, erschossen. Sie waren Opfer der "Kremser Hasenjagd", einem blutigen Gemetzel, initiiert von NS-Treuen, nachdem der Leiter der Männerstrafanstalt Stein, Franz Kodre, unter dem Eindruck des bevorstehenden Kriegsendes Häftlinge entlassen hatte. Die virtuelle Gedenkstätte im Internet enthält eine umfangreiche Dokumentation der Ereignisse.

Die Teilnehmer der Kundgebung hatten die Namen der Toten auf deren letztem Weg vom Hauptplatz zum Friedhof auf die Straße geschrieben. "Niemand soll das lesen zu Ostern", soll Toms der Aussendung zufolge gemeint haben, als er die Namen vom Hauptplatz waschen habe lassen. Streibel bezeichnete die Vorgangsweise als Skandal, Pazderka verlangte den Rücktritt des Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten. Landeshauptmann Erwin Pröll sei jetzt gefordert, reinen Tisch zu machen und diesen Herrn aus der Politik zu entfernen. Was hier passiert ist, eine Verhöhnung der Zweiten Republik", erklärte Pazderka.

Grüne und SJ fordern Rücktritt

Den Rücktritt des Bürgermeisters hat die Sozialistische Jugend (SJ) am Montag gefordert. Ins selbe Horn stießen auch die NÖ Grünen: " Toms ist als Landtagsabgeordneter und Bürgermeister untragbar." Anstoß der Forderungen war die Entfernung eines provisorisch errichteten Denkmals für 61 NS-Opfer, die Toms nach einer Gedenkveranstaltung am Freitag angeblich angeordnet hatte.

"Niemand soll das Lesen zu Ostern", soll Toms demnach gesagt haben, bevor er das Denkmal abtragen ließ. Überdies hätte die Feuerwehrjugend noch in der Nacht nach der Veranstaltung die mit Kreide auf die Straße geschriebenen Namen der 61 Ermordeten abwaschen müssen.

"Seine Vorgangsweise zeigt von einer unerträglichen Ignoranz und Respektlosigkeit gegenüber dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus", so die SJ in einer Aussendung. "Wenn ein ÖVP-Funktionär und Repräsentant Niederösterreichs die Zweite Republik derart verhöhnt, kann nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergegangen werden", so der Landesgeschäftsführer der NÖ Grünen, Thomas Huber. Gefordert sei jetzt auch die VP-NÖ, "reinen Tisch zu machen und von Toms die notwendigen Konsequenzen einzufordern."

Bürgermeister Toms: Schmierereien sind zu entfernen

"Sehr gelassen" reagiert der Hadersdorfer Bürgermeister Bernhard Toms auf die Rücktrittsaufforderungen, nachdem er ein provisorisches Denkmal für 61 NS-Opfer entfernen ließ. Im "Presse"-Interview (Dienstag-Ausgabe) spricht er von "Schmierereien", die "zu entfernen" gewesen seien.

"Ich habe gesagt: Wenn ihr das nicht macht, dann muss das jemand anderer. Diese Schmierereien sind zu entfernen", schildert Toms, der veranlasst hatte, dass Feuerwehr-Jugendliche die mit Kreide auf den Asphalt geschriebene Namen der Opfer wegwuschen. Über die Gedenkveranstaltung spottet er: "Es waren nur 20, 30 Leute da, lächerlich. In erster Linie Wiener, und noch dazu aus dem linken Spektrum, sogar Kommunisten."

Der private Verein, der die Veranstaltung organisiert hatte, bekomme einen Strafbescheid. Aber: "Von einer Bestrafung werden wir absehen", sagte Toms.

Verteidigung: "Denkmal hatte keine Genehmigung"

Auch Vizebürgermeisterin Lieselotte Golda (ÖVP) hat die Schritte von Bürgermeister Bernhard Toms (ÖVP) verteidigt: "Das Denkmal hatte keine Genehmigung, auch wurde kein Antrag zur Aufstellung eingebracht, daher diese Maßnahmen," sagte sie im Gespräch mit der APA am Montag.

"Das Quaderförmige Denkmal ist nun sicher im Gemeindeamt verwahrt," so die Vizebürgermeisterin. Auch die Abwascharbeiten der Schriftzüge hätten sich anders als von SJ und NÖ Grünen dargestellt zugetragen: "Es ist zwar richtig, dass Herr Toms die Entfernung dieser in Auftrag gegeben hat. Allerdings wurde die Feuerwehrjugend dazu nicht gezwungen." Es habe sich dabei um einen Einsatz gehandelt, der im Zuge einer ohnehin fälligen Übung so vollzogen wurde. "Da war nichts beabsichtigt, sondern alles im Sinne der feuerwehrmäßigen Routine, das möchte ich ganz klar festhalten", sagte Golda.

(APA)

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