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Die Ereignisse in Hadersdorf am Kamp am 6. und 7. April 1945

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Pressespiegel

   

Noch keine Lösung in Sicht

16/04/2008 Bezirksblatt Krems   

Kürzlich fand die jährliche Gedenkfeier des Vereins „Gedenkstätte Hadersdorf“ anlässlich der Hinrichtung von 61 Widerstandskämpfern am 7. April 1945 statt. Der Verein fordert ein Denkmal für die Opfer am Hauptplatz, die Gemeinde ist verhandlungswillig.

HADERSDORF. Am 7. April 1945 wurden 61 politische Häftlinge, darunter neben Österreichern auch viele Tschechen, Slowaken, Franzosen, Deutsche, Kroaten, Slowenen, Polen und Griechen, am Hadersdorfer Hauptplatz von der Waffen-SS erschossen.

Der Verein Gedenkstätte fordert seit seiner Gründung 2005 durch Christine Pazderka - Tochter eines Opfers - die Errichtung einer ständigen Gedenkstätte am Hadersdorfer Hauptplatz.

Auf Kriegsfuß
Zwischen dem Verein und der Gemeinde Hadersdorf gibt es bis heute keine für alle zufrieden stellende Lösung: Einzig am Hadersdorfer Friedhof ist eine kleine Gedenktafel angebracht, die an die Hinrichtung 1945 erinnert. Gegenseitige Vorwürfe und Streitereien zwischen dem Verein und der Gemeinde stehen seither an der Tagesordnung. Nach einer Gedenkfeier vor drei Jahren wurde Bürgermeister Ing. Bernd Toms (ÖVP) vorgeworfen, ein provisorisches Denkmal absichtlich sofort wieder abmontiert zu haben, um seine Missgunst gegenüber eines derartigen Denkmals auszudrücken. Im Gegenzug beschuldigt Toms aufgrund einer Diplomarbeit den Verein, mit seinen Aktivitäten durch den Bezug einiger Förderungen und einem „Sponsoring“ durch die KPÖ aus der ganzen Sache Profit schlagen zu wollen.

Toms stand den Bezirksblättern kürzlich zu allen Vorwürfen in einem Telefoninterview Rede und Antwort: Das provisorische Denkmal aus Holz sei damals aus dem Grund wieder abgebaut worden, weil ein starker Sturm vorausgesagt war. Bezüglich des Vorwurfes, er sei generell gegen die Gedenkfeiern, entgegnete er: „Die schrecklichen Ereignisse vom 7. April 1945 waren furchtbar. Ich habe selbst jüdische Vorfahren und unterstütze das Gedenken an die Opfer voll und ganz.“

Die erste Initiative, ein großes Denkmal - allerdings am Hadersdorfer Friedhof - zu errichten, ging laut eigenen Aussagen von Bürgermeister Toms selbst aus. „Damals schien es so, als hätte man endlich eine Einigung gefunden. Vor allem die damalige Vizebürgermeistern Liselotte Golda hatte sich sehr dafür eingesetzt, auch in der Bevölkerung Verständnis für das Vorhaben zu schaffen“, sagt Toms.

Doch zwei Wochen vor einer geplanten gemeinsamen Veranstaltung hielt der Verein eine eigene Veranstaltung ab, von der - so Toms - die Gemeinde nicht informiert wurde, und auch keiner der Gemeindevertreter eingeladen war. „Ich fühle mich vom Verein provoziert“ sagt der Hadersdorfer Bürgermeister, und fügt hinzu: „Wir waren und sind verhandlungswillig, aber wir lassen uns nicht diktieren.“

Denkmal ja, aber nur am Friedhof
Die Gemeinde sei nach wie vor bereit, ein großes Denkmal am Friedhof zu errichten, aber ein Riesendenkmal mitten am Hauptplatz sei einfach nicht möglich, vor allem, weil das nicht dem Willen der Hadersdorfer Bevölkerung entspreche, so Toms. Bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung, bei der erstmals einige Hadersdorfer Gemeinderäte anwesend waren, meldete sich auch Gemeinderat Alfred Kermer (SPÖ) zu Wort. Er sagte, er werde sich dafür einsetzen „irgendeine“ Lösung zu finden, gab aber keine konkreteren Angaben.

Trotzdem keine Lösung in Sicht
Es scheint also, als sei zur Zeit noch keine Einigung zwischen dem Verein und der Gemeinde in Sicht. Verwunderlich ist nur, dass die hochrangigen Redner bei der Veranstaltung - Sozialminister Dr. Erwin Buchinger (SPÖ) und Nationalratsabgeordneter Dr. Werner Fasslabend keine Position zum Konflikt einnahmen, und nicht ausdrücklich - so wie der Verein - ein Denkmal am Hauptplatz forderten. Vielleicht wollten sie nicht die Wähler verärgern, hält doch ein Großteil der Hadersdorfer Bevölkerung eine ständige „Erinnerung“ an die Gräueltaten von 1945 am Hauptplatz für unangebracht.

Laura Weichselbaum

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