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Die Ereignisse in Hadersdorf am Kamp am 6. und 7. April 1945

Ein Jahr später: Exhumierung der Ermordeten

Zwei Jahre später: Der Prozess gegen einige Verantwortliche

Liste der 61 Opfer und deren Kurzbiografie

Augenzeugen berichten

Erinnern & Vergessen seit 1945

Pressespiegel

   

Nach dem Massaker: Eine Minute für ein Menschenleben

09/04/1998 Die Presse   

Die Opfer des Massakers in Hadersdorf erhielten ihre Identität zurück.
VON MARTIN STUHLPFARRER- HADERSDORF. "Unbekannter Mann, braunes Haar. Todesursache: Kopfschuß". Mit gedämpfter Stimme verlesen Robert Streibel und Gerald Buchas vom Verein "B-projekt" Namen und Daten jener Menschen, die am 7. April 1945 von Schergen des NS-Regimes in Hadersdorf am Kamp ermordet wurden. Eine Minute Lesung für jedes einzelne Leben. Rund 25 Menschen haben sich an diesem kühlen, windigen Dienstag nachmittag am Ortsfriedhof versammelt, um den Toten auf diese Weise wenigstens einen Teil ihrer Identität zurückzugeben. Die Opfer des Massakers waren politische Gefangene, die von Franz Kodre, dem damaligen Direktor des Zuchthauses Stein, beim Herannahen der Front freigelassen wurden. NS-Handlanger denunzierten dies als Aufstand, SA und SS richteten ein Blutbad unter den wehrlosen Männern an. Aus Hadersdorf sind nur Gemeinderäte von SP und VP vertreten. Für die Bewohner des 700- Seelen Dorfes ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit offenbar noch ein Tabu-Thema. Gepaart mit Schuldgefühlen gegenüber jenen 61 Männern, die an diesem Tag in ihrer Gemeinde von den Einheimischen festgenommen worden waren, als sie ahnungslos nach dem Weg fragten. Und gezwungen wurden, eine zwei mal acht Meter große Grube ausheben und sich ausziehen. Nummer Neun: Nikolaus Dekas, Grieche. Todesursache: Wirbelsäulenzertrümmerung und Kopfschuß. Name um Name, Verbrechen für Verbrechen wird verlesen. Die Besucher blicken auf den asphaltierten Friedhofsboden oder starren ins Leere. "Ich war elf, als ich die Schüsse gehört und mich zum Friedhof geschlichen hab'. Diesen Anblick werde ich nie vergessen." Die ältere Dame kämpft mit den Tränen. Eine andere Zeitzeugin sitzt fassungslos auf der hellen Holzbank des Friedhofs. "Der einzige, der flüchten konnte, ist in unser Haus gestürmt und hat meine Mutter auf Knien um Kleidung angefleht. Als Dankeschön hat er uns zehn Jahre später zehn Kilo Zucker mitgebracht." Nummer 31 - die Halbzeit der Todesliste. Wieder ein unbekannter Mann, wieder Kopfschuß als Todesursache. An der Seitenwand der kleinen gelben Friedhofs-Kapelle glitzert eine unscheinbare Tafel aus Messing in der Sonne. Bis heute das einzig sichtbare Zeichen des Gedenkens. Die Lesung neigt sich dem Ende zu. Eine weitere Zeugin erinnert sich: "Ein Mann, der der SS geholfen hat, ist danach zum Fleischhauer gelaufen und hat zu ihm gesagt: "Geben's uns warme Grammeln für die SS. Denn die haben heute wirklich was geleistet."

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