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Die Ereignisse in Hadersdorf am Kamp am 6. und 7. April 1945

Ein Jahr später: Exhumierung der Ermordeten

Zwei Jahre später: Der Prozess gegen einige Verantwortliche

Liste der 61 Opfer und deren Kurzbiografie

Augenzeugen berichten

Erinnern & Vergessen seit 1945

Pressespiegel

   

In Hadersdorf am Kamp ist die Welt nur dann in Ordnung, wenn das Gesindel draussen bleibt, und die Strasse gewaschen ist

12/04/2006 ZITIG online Magazin in vielen Sprachen   

Damals, als die braunen Herren, nicht die Schwarzen, das Sagen hatten, waren viele Häftlinge im Ort. Von ihnen wurden 61 von der SS in Hadersdorf am Kamp ermordet, kurz vor dem Einrücken der Roten Armee. Am 6. April wurden freigekommene Häftlinge mit Unterstützung seitens der Bevölkerung wieder eingefangen. Am 7. April wurden 61 erschossen, niedergemäht. Die Geschichte ist bekannt, ihrer wird andernorts erinnert. In Hadersdorf aber gibt es keine Gedenkstätte. Die würde stören. Das traute Klima. Das schwarze Geschichts- und Politikverständnis. Die Bürgerinnen und Bürger.

Des brauch ma net. Dös wollma net. Basta. Am 7. April 2006 fand dort eine kleine Gedenkfeier statt. Dabei wurde ein provisiorisches Denkmal aufgestellt. Die Namen der 61 Opfer wurden mit Kreide auf die asfaltierte Strasse geschrieben.

Das war dem tapferen ÖVP-Bürgermeister des Ortes zuviel. Eine Straftat. Ein Frevel. Er liess die Feuerwehrjugend die Strasse waschen. (Immerhin, nicht wie damals die Juden es mussten, mit Zahn- oder Handbürstchen und unter Schlägen. Also fortschrittlicher.)

Die SP und Grünen rufen nach Rücktritt. Sind verstört und befremdet. Die ÖVP-Granden schweigen. Der Bürgermeister, DI Bernhard Toms, auch ÖVP-Landtagsabgeordneter, dazu in der PRESSE (11.04.06):

"Ich habe gesagt: Wenn ihr das nicht macht, dann muss das jemand anderer. Diese Schmierereien sind zu entfernen." Das (nicht genehmigte) Denkmal wurde entfernt und wird im Gemeindeamt verwahrt. Der Verein bekomme einen Strafbescheid, "von einer Bestrafung werden wir absehen", so Toms.

Er wird jedoch noch deutlicher: "Es waren nur 20, 30 Leute da, lächerlich. In erster Linie Wiener, und noch dazu aus dem linken Spektrum, sogar Kommunisten." Seine Stellvertreterin, Lieselotte Golda (VP): "Der Bürgermeister hat die Feuerwehrjugend nicht gezwungen."

Ein kleiner Verein, wenig Leute. Aus Wien. Zuagraste. "Noch dazu aus dem linken Spektrum". Kennen wir doch. "Sogar Kommunisten". Pfui Teufel! Kommunisten sind doch Feinde, Untermenschen. "Sogar Kommunisten!" Das soll der Landes-SP und den Landes-Grünen schaden. Mit wem sich dieses Pack einlässt! Und das vor Ostern!

In der Homepage des Vereins kann man mehr erfahren: http://www.gedenkstaette-hadersdorf.at

Zu Hadersdorf am Kamp: http://www.hadersdorf-kammern.at/die_gemeinde.php

In der Rubrik "Geschichte" der Gemeinde-Homepage findet man keinen Hinweis auf die Nazizeit oder gar die Erschiessung der Gefangenen. (Hätte der Hinweis auf die Befreiung durch die Rote Armee auch nicht gepasst? Waren ja Kommunisten! Gesindel. Und die Befreiung war ja keine, meinten damals viele. Heute anscheinend auch noch...)

In Hadersdorf hat die ÖVP die Mehrheit. Im Gemeinderat ist die Sitzverteilung: 7 VP (5 geschäftsführend), 4 SP (2 geschäftsführend). Die Vizebürgermeisterin ist Liselotte Golda, ÖVP. Es gibt 8 grössere Ausschüsse, darunter den Ausschuss 3: Kindergarten, Volksschule, Kultur, Kulturdenkmäler, Senioren, dem die Vizebürgermeisterin als Obfrau vorsteht sowie 4 kleinere. Ein reges, demokratisches Leben.

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Dazu Georg Lechner:
Es ist anscheinend kein Zufall, dass im Alpbacher Programm der VP die nämliche Parole steht wie sie über dem KZ Buchenwald stand: Jedem das Seine. Wenn zu Ostern die Namen der Opfer nicht mehr zu lesen sein sollen, welches Verständnis von Ostern hat dann der (Noch-)Bürgermeister von Hadersdorf? Wird nicht jeden Sonntag - besonders aber zu Ostern - daran erinnert, dass der physische Tod nicht das Ende ist? Daran ist wohl auch zu erinnern, wenn zu Propagandazwecken wieder die Phrase vom christlichen Abendland aus der Mottenkiste geholt wird.

Dazu Haimo L. Handl:
Anstatt bemüht zu sein, mehr Leute für das Gedenken zu animieren und motivieren, verunglimpft der Bürgermeister die Teilnehmer als zu vernachlässigende, verachtende Linke und Kommunisten. Neben Kalter-Krieg-Rhetorik ist da auch ein tiefliegendes Ressentiment herauszuhören. Bedauerlich, beschämend.

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