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Die Ereignisse in Hadersdorf am Kamp am 6. und 7. April 1945

Ein Jahr später: Exhumierung der Ermordeten

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Pressespiegel

   

Hadersdorf will nicht gedenken

06/04/2007 Der Standard   

Ein Jahr nach dem Eklat von Hadersdorf wird dort am Samstag wieder der 61 von Nazis im Ort ermordeten Widerstandskämpfer gedacht.

Bürgermeister Toms (VP), der 2006 die Feuerwehr alle Gedenkspuren wegspritzen ließ, will von der Veranstaltung nichts wissen.

Hadersdorf am Kamp – „Die Gemeinde unterstützt uns nicht. Man hat uns wissen lassen, dass unsere Veranstaltung keine Spuren hinterlassen darf“, schildert der Historiker Robert Streibel. Am kommenden Samstag, den 7. April, heben das Mauthausen Komitee und der Verein Gedenkstätte Hadersdorf wie alljährlich an, um an die 61 Widerstandkämpfer aus dem KZ Mauthausen zu erinnern, die in dem Ort am Kamp im April 1945 von SS-Männern und lokalen Nazis an der Friedhofsmauer erschossen worden sind.

Die Gästeliste für kommenden Samstag ist hochkarätig: Unter dem Ehrenschutz von Nationalratspräsident Heinz Fischer werden Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, der Zweite Präsident der NÖ Landtags, Ewald Sacher (beide SPÖ), der deutsche Botschafter in Österreich Gerd Westdickenberg und der Generalsekretär des Comité International de Mauthausen, Albert Langanke erwartet. Doch am Ort des Geschehens will man an die Ereignisse in den letzten Tagen der Hitlerherrschaft immer noch nicht erinnert werden – es leben weiter Nachfahren der Täter im Ort. „Man darf halt nur mit sauberen Gedanken nach Hadersdorf kommen“, ätzt Streibel.

Im vergangenen Jahr war es im Anschluss an die Hadersdorfer Gedenkveranstaltung zu einem Eklat gekommen, der über die Grenzen Österreichs hinaus schwappte. Teilnehmer hatten die Namen einiger Ermordeter mit Kreide auf das Pflaster vor der Friedhofsmauer geschrieben. In der Nacht darauf wies Bürgermeister und NÖ Landtagsabgeordneter Bernd Toms (ÖVP) die Feuerwehrjugend an, die Kreide mit dem Feuerwehrschlauch wegzuspritzen.

Aufarbeitung scheiterte

Nach dem Straßenputzen ließ Toms dann auch ein provisorisches Mahnmal für die Opfer der „Kremser Hasenjagd“ demontieren: Laut Historiker Streibel das „traurige Ende eines fehlgeschlagenen Versuchs der Aufarbeitung“, der 2005 mit einer Arbeitsgruppe unter Beteiligung der damaligen Hadersdorfer Vizebürgermeisterin Lieselotte Golda (ÖVP) hoffnungsvoll begonnen hatte.

Der Arbeitsgruppe war es nicht gelungen, sich über die Anbringung einer fixen Gedenktafel zu einigen. Am kommenden Samstag nun sollen zur Erinnerung 61 schwarze Ballons von Hadersdorf aus in die Lüfte starten – auf jedem der Namen eines Ermordeten. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 6.4.2007)

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