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Die Ereignisse in Hadersdorf am Kamp am 6. und 7. April 1945

Ein Jahr später: Exhumierung der Ermordeten

Zwei Jahre später: Der Prozess gegen einige Verantwortliche

Liste der 61 Opfer und deren Kurzbiografie

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Augenzeugen berichten

Heinrich Kuchelbacher, Wien
entging knapp dem Massaker


Ich war Häftling in Stein und wurde am 6.4.1945 mit dem Häftlingen Stelzhammer, Winter und Nowatschek mittels regelrechten Entlassungsscheins entlassen. Vor der Kamptalbrücke in Hadersdorf wurden wir von einem SS-Mann zur Ausweisleistung angehalten und konnten nachher aber wieder weiter ziehen. Wir kamen aber nicht weit, als uns ein zweiter SS-Mann aufhielt und fragte woher wir kämen. Da sagt Nowatschek ganz fröhlich „aus Stein“. Darauf sagte der SS-Mann, wir müssten mit ihm gehen, da wir mit dem Auto weiterbefördert werden. Er führte uns in den Hof eines Gasthauses in Hadersdorf, wo bereits 30 bis 40 Häftlinge, teilweise noch in Sträflingstracht, beisammen standen und warteten. Wir haben versucht, mit unseren Entlassungsscheinen den Weg frei zu bekommen, was aber leider negativ verlief, wir mussten genauso wie die anderen Häftlinge in dem Hof warten. Nach ca. 2-3 Stunden kam ein kleiner dicker Mann herein, der sagte, dass er vom Ortsgruppenleiter komme. Er teilte uns mit, dass am nächsten Tag ein Auto komme und wir nach Krems zurückgebracht werden, wo wir ordentliche Ausweispapiere bekommen. Wir haben darauf hingewiesen, dass wir Vier bereits Entlassungsscheine hätten, es hat aber nichts genützt. Der Mann ging wieder weg und gegen 7 Uhr abends kamen SS-Leute, wir mussten zu dritt antreten und wurden unter SS-Eskorte in den Gemeindearrest geführt.

Am nächsten Morgen bemerkten wir, dass wir vom Volkssturm bewacht waren. Ich verlangte den Ortsgruppenleiter zu sprechen, worauf der Posten sagte, dass dieser dann kommen werden. Tatsächlich ist dann am Vormittag der Ortsgruppenleiter Kuen erschienen. Er hatte einen breiten Gürtel mit Revolver um. Er ist in den Vorgarten gekommen, und ich habe mich zum Fenster gedrängt und ihn auf unsere Entlassungsscheine hingewiesen. Unterdessen ist aber schon ein anderer hinausgegangen und hat mit ihm gesprochen. Ich glaube, dass dies Herr Fuchs war. Er hat mit ihm verhandelt, und ich habe noch gehört, dass von der Kreisleitung Krems eine Verständigung gekommen sei, dass wir wieder zurück nach Stein müssen. Kuen ging dann weg. Die Posten sind dann etwas vertraulicher geworden und ließen uns in den Vorgarten hinaus, und ich habe eine Gelegenheit abgewartet mit Kuen zu sprechen, weil er ja auch immer dort herumgegangen ist. Als er dann durch das Seitengasserl daher kam, zeigte ich ihm meinen Entlassungsschein und wies darauf hin, dass noch drei meiner Kameraden einen solchen hätten und das unsere Anhaltung hier ganz ungesetzlich sei. Darauf sagte er: „Hier entscheide ich, was mit Euch geschieht.“ Damit hat er mich nun abgewiesen. Wir mussten weiter warten und glücklicherweise fuhr ein Aufseher von Stein auf der Strasse mit seinem Fahrrad vorüber, den wir anriefen, weil wir ihn aus der Strafanstalt kannten. Ich zeigte ihm den Entlassungsschein und habe schließlich bewirkt, dass er uns weiter ziehen ließ. Als wir schon ein Stück entfernt waren, kam er uns mit dem Fahrrad nach und fragte, ob auch der Vierte – er hatte vorher nur mich und meine beiden Kameraden gesehen – einen Entlassungsschein habe. Als er festgestellt hatte, dass auch diese Sache in Ordnung ging, ließ er uns weiter gehen.

Hauptverhandlung am Volksgericht Wien, Zeugenaussage, 28. März 1947

     
 
           
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